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Aus der pädagogischen Arbeit

Klassenfahrt - eine pädagogische Komposition
 
Michael Birnthaler

Eine 8. Klasse – so wie viele Klassen in diesem Alter: etwas wild, etwas ungeordnet und „undizipliniert“. Doch vor allem: Die Klasse „hängt durch“, ist lustlos, unmotiviert und unsolidarisch. Eine pädagogische Herausforderung von A (Alkohol) bis Z (Zigaretten). „Team“ ist hier tatsächlich noch ein Fremdwort und wird von der Klasse wohl mit „Toll ein anderer machts!“ übersetzt. Nach erschöpfenden Diskussionen „verschreibt“ das Klassenkollegium der Klasse schließlich eine baldige Klassenfahrt.
Drei Monate später, kurz nach der Fahrt: die einstmals gefürchtete 8. Klasse scheint wie ausgewechselt, wie verwandelt zu sein. Vielleicht wirkt sie auf intime Kenner immer noch etwas unorganisiert, doch vor allem: Die Schülerinnen und Schüler sind plötzlich nicht mehr „durch den Wind“, sondern „voll frischem Wind“. Die Eurythmielehrerin berichtet von „Arbeitseifer“ und der Gartenbaulehrer von „Klassengemeinschaft“ - und dass sie, Rätsel über Rätsel, jetzt „Team“ richtig übersetzen könnten.....
Berichte dieser Art sind nicht selten. Dennoch sind die Klassenfahrten das Stiefkind der Pädagogen. Kaum ein Erziehungswissenschaftler, der sich mit diesem Thema „abgibt“ (es liegen im Grunde keine wissenschaftlichen Arbeiten zu diesemThema vor), nur selten verirrt sich das Thema in die Gefilde der offiziellen Lehrerbildung, und nicht immer findet die Klassenfahrt ihren gebührenden Platz an den Schulen.
Dies erstaunt um so mehr, als bekannt ist, dass viele Erwachsene sagen: „Meine schönste Erinnerung an die Schulzeit verbinde ich mit den wenigen beglückenden Momenten auf den Klassenfahrten!“.
Das wirft die Frage auf: Warum kommen unzählige Kinder und Jugendliche von Klassenfahrten „wie verwandelt“ zurück?


Die Klassenfahrt - ein sensibles Geflecht

Auch unsere 8. Klasse kam „wie verwandelt“ wieder zurück – im Gegensatz zu einer anderen 8. Klasse, die nach der Fahrt vollständig im Mehltau der Trägheit „versumpfte“. Die Gestaltung einer Klassenfahrt scheint also eines besonderen Könnens zu bedürfen, eines Könnens, das nicht mit dem Handwerkszeug eines „45-min-Lehrers“ vergleichbar ist. Bei zahlreichen Klassenfahrten konnte ich selbst schon erleben, dass einige sonst „begnadete“ Lehrer pädagogisch auf Glatteis geraten sind.
In den Lehrerkonferenzen gab Rudolf Steiner einen interessanten Hinweis zur Gestaltung von Klassenfahrten (die er sehr unterstützte): Einerseits käme es dabei auf die richtige Dosierung von Aktion und Erholung an, andererseits sei hier durch „sinnvolle Spiele“ für die Schüler ein besonderes Lernfeld gegeben. Klassenfahrten scheinen in der Tat ein sensibles Geflecht aus unterschiedlichen didaktischen Elementen zu sein.
Die Erfahrungen haben gezeigt, dass es durchaus angemessen ist, eine Klassenfahrt als eine „pädagogische Kompostion“ anzusehen. Eine solche Unternehmung kann demnach auf unterschiedlichen Ebenen betrachtet werden: erstens auf der Ebeneder übergeordneten Ziele, der Idee; zweitens der Ebene der künstlerischen Gestaltung einer Fahrt (Dramaturgie); drittens der Strukturierung des Verlaufs (Dynamik, Rhythmisierung, Fluss); viertens der äußeren Rahmenbedingungen (Ausstattung, Standort usw.).
Im Überblick lassen sich bei einer Klassenfahrt folgende Aspekte unterscheiden:

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